Fertigstellung des Glasfaser-Breitbandinternet Ausbaus in Nebelberg

Im Herbst 2014 ist der Entschluss gefasst worden, Breitband Internet nach Nebelberg zu holen. Keinen Tag zu früh, wie sich später herausstellen sollte…

Ein kurzer Rückblick
Zu Beginn hatten wir mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zum einen war die Thematik Glasfaser Breitbandausbau noch sehr neu und mögliche Fördermöglichkeiten existierten nur in Ankündigungen und Versprechungen.
So mussten wir einige Rückschläge einstecken und eine Absage nach der anderen akzeptieren.

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Erste Vorüberlegungen in einer sehr frühen Phase unsere Projekts

Wenn doch einmal ein Funken Hoffnung am Horizont aufkam, dann wurde dieser bald wieder erstickt, oder wir wurden auf das nächste Halbjahr vertröstet. Doch was macht man als Team mehrere Monate ohne richtigen Fortschritt? Uns war bewusst, wenn wir einfach warten, dann wird sich das ganze Vorhaben und die Projektgruppe bald in Luft auflösen.
Daher haben wir damit begonnen an jeder erdenklichen Stelle vorstellig zu werden: bei Telekommunikationsunternehmen, Fördergebern, Politikern, im Infrastrukturministerium und bei den Breitbandbeauftragten der Länder. Wir haben uns mit anderen Breitbandinitiativen ausgetauscht, Breitband Experten und Planer im In- und Ausland kontaktiert und auch die EU bezüglich Fördermittel und Support kontaktiert. Speziell zu unserem Kontakt mit der EU gibt es einige amüsante Anekdoten.
Wie kurzlebig derzeit der Bereich Infrastruktur ist, zeigt der Umstand, dass wir seit Beginn unseres Projekts bereits vier verschiedene Infrastrukturminister erlebt haben. 🙂

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Oftmals war es nicht einfach…

Im Nachhinein betrachtet war das keine verschwendete Zeit. Haben uns doch all diese Kontakte zu einem späteren Zeitpunkt viele Türen geöffnet und unser Vorhaben erst möglich gemacht.

Auftrieb hat uns die zwischenzeitlich durchgeführte Onlinebefragung der Gemeindebevölkerung gegeben. Wir haben sehr viel Feedback bekommen, es wurde deutlich wie langsam unser Internet in der Realität und wie hoch der Bedarf nach schnellerem Internet ist.

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Beispiel für ein Ergebnis aus der Onlinebefragung: Download Geschwindigkeit

Trotz all unserer Bemühungen ist es uns damals leider noch nicht gelungen ein Unternehmen für das Vorhaben zu gewinnen.
Am Ende unseres Lateins angekommen hatten wir zwei Möglichkeiten: aufgeben oder versuchen, ein Glasfasernetz in Eigenregie zu planen und zu betreiben. Zum heutigen Zeitpunkt völlig utopisch, aber damals war es unsere letzte Hoffnung, doch noch etwas bewegen zu können.
Wir haben daher ein Konzept für den Eigenausbau erstellt, Kosten für die Bauarbeiten eingeholt und mit Unternehmen gesprochen. Uns schwebte ein Glasfasernetz im Gemeindebesitz vor, welches von Telekomunternehmen gemietet werden konnte, um ihre Dienste in die Häuser zu liefern.

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Auszug aus dem Eigenbau-Konzept

Überraschenderweise konnten wir doch das eine oder andere Interesse bei den Telekomunternehmen wecken und auch Detailplanungen wurden eingeleitet. Trotzdem kamen wir immer mehr zur Einsicht, dass der Eigenbau aus folgenden Gründen für unsere kleine Gemeinde nicht stemmbar wäre.

  • Die vorhandenen Förderprogramme waren nicht ausschöpfbar, da Grabungskosten nur bei gleichzeitiger Mitverlegung von Kanal, etc. förderbar gewesen wären.
  • Die Finanzierung wäre daher nur sehr langfristig möglich gewesen und hätte sich unseren Berechnungen zur Folge erst in 10-15 Jahren amortisiert.
  • Hinzu kamen Detailfragen wie Haftung oder Reparaturarbeiten an Feiertagen, etc.

Unser wurde damals bewusst, dass das Glasfasernetz nicht durch die Gemeinde bzw. durch ehrenamtliche Tätigkeit bewältigbar ist und wir haben uns entschlossen, alles auf eine Karte zu setzen und etwas zu pokern.
Ab dem nächsten Tag haben wir das Konzept hoch angepriesen, als machbar dargestellt und an die Unternehmen gesendet. Eingesehen werden kann dieses hier: https://glasfasergemeinde.at/konzept/

Endlich Licht am Ende des Tunnels
Die Energie AG Telekom GmbH ist damals auf das Konzept und auf unseren Enthusiasmus aufmerksam geworden und wir haben noch einmal ein Treffen vereinbart – der Beginn einer sehr guten Zusammenarbeit, in der sich auch die eine oder andere Freundschaft gebildet hat.
Bei diesem Treffen ist es nicht geblieben, es folgten noch viele weitere Besprechungen, Verhandlungen, Lösungsvorschläge, etc.

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Das allererste Treffen mit Mitarbeitern der Energie AG

Man sollte hier erwähnen, dass uns nichts geschenkt wurde. Auch die Energie AG Telekom ist ein Wirtschaftsunternehmen und so wurden uns Mindestanschlußzahlen und Eigenleistungen auferlegt. Trotzdem erkannten beide Seiten den Willen des Anderen etwas zu bewegen und man fand viele Möglichkeiten für Einsparungspotentiale. Uns wurde bewusst, dass nur durch die innovative und effiziente Planungsweise der Energie AG Telekom und durch das Entgegenkommen von Grundeigentümern, Gemeinde und ehrenamtliche Tätigkeit ein Ausbau in unserer ländlichen Gemeinde möglich ist.

Die Bevölkerung war durch unsere Aussendungen, Newsletter und viele Gespräche gut vorbereitet und ein Großteil war sich über die Wichtigkeit des Glasfaserausbaus im Klaren. https://glasfasergemeinde.at/aussendungen/

Nichts desto trotz war es notwendig, von Haus zu Haus zu gehen um die notwendigen Anschlüsse erreichen zu können. Der Baubeginn rückte immer näher.
Relativ gleichzeitig zu diesem Zwischenerfolg bekamen wir dann auch die Nachricht, dass das Förderprogramm endlich freigegeben war und etwas später bekamen wir dann auch noch die Nachricht über den positiven Förderbescheid für unsere Gemeinde.

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Anlieferung des Materials

Durch die umsichtige Planung, Nutzung von bestehenden Rohren, der Förderung und Unterstützung von Grundeigentümern, etc. war es möglich Nebelberg beinahe flächendeckend auszubauen. Lediglich sehr weit entfernte Häuser konnten nicht direkt angeschlossen werden. Diese profitieren jedoch indirekt ebenfalls durch die freigemachten Kapazitäten auf Mobilfunksendern.

Baubeginn
Einer der schönsten Tage war der Baubeginn im Spätherbst 2016. Endlich schien sich all die Mühe zu lohnen. Danach ging alles sehr reibungslos und das ganze Jahr 2017 wurde gebaggert und geschaufelt.

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Rohrführung mit Bachdurchquerung

Ein Haus nach dem anderen wurde angeschlossen und im Sommer 2017 wurden dann auch die ersten Breitbandinternetanschlüsse in den Haushalten freigeschaltet – ein weiterer Meilenstein.
In diesem Zusammenhang vielen Dank an die beteiligten Baufirmen Held & Francke Baugesellschaft m.b.H und Hehenberger Bau GmbH sowie an das Installationsunternehmen flexkom Kommunikations Service GmbH für die die professionelle und freundliche Zusammenarbeit.

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Grabungsarbeiten

 

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Einblasen von Glasfaserleitungen

Aktueller Stand
Viele Gemeinden kämpfen aktuell um die knapper werdende Fördergelder und einen Breitbandausbau.
Bis auf zwei Haushalte, die Aufgrund von Umbauten erst später angeschlossen werden können, sind in Nebelberg nun alle Haushalte angeschlossen und die Rückmeldungen sind sehr positiv.
Es gibt Bürger die nun öfters im Home Office arbeiten können und sich an einzelnen Tagen die Fahrt nach Linz ersparen. Auch hat uns die Nachricht erreicht, dass Bürger wieder nach Nebelberg gezogen sind, weil Sie, durch das schnellere Internet, ihre berufliche Tätigkeit nun auch in Nebelberg ausüben können. Viele freuen sich einfach über ruckelfreie Internetnutzung und wenn es doch mal ein wenig hakt, dann lag es bis jetzt immer noch an ungünstiger Positionierung oder falscher Konfiguration der WLAN Geräte oder an veralteten PCs und Laptops.

Ausblick und Dank
Für uns geht jetzt eine spannende Aufgabe zu Ende. Auch wenn es zu Beginn schleppend vorwärts ging und der Eine oder Andere auch schon die Hoffnung aufgegeben hat, so hat sich die Beharrlichkeit doch ausgezahlt.
Auch wir vergessen manchmal den Mehrwert des Glasfasernetzes, denn man gewöhnt sich sehr schnell an die neue Internetgeschwindigkeit. Trotzdem denken wir manchmal daran, wie wohl das Arbeiten am PC mit der alten Leitung wäre? Die Datenvolumen sind stetig weitergestiegen.
Der wahre Wert wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen oder aber auch im Verborgenen bleiben, weil sich die Nebelberger Bürger keine Sorgen mehr über zu langsames Internet machen müssen.

Wir möchten uns daher nochmal bei allen Beteiligten und Unterstützern in den vergangenen dreieinhalb Jahren bedanken und wünschen weiterhin viel Freude mit dem Glasfaserinternet.

Breitbandinitiative Nebelberg
Projektleiter Thomas Riener
Josef Jungwirth
Klaus Kickingereder
Peter Kickingereder
Florian Pfeil
Heinrich Pfoser
Markus Steininger

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